Praxis für Homöopathie
Thomas Mickler
Heilpraktiker
Aktienstr. 175
D-45473 Mülheim an der Ruhr

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Samuel Hahnemann an seine Kritiker:
Nota bene für meine Recensenten (1825)


Diese Lehre beruft sich nämlich nicht nur hauptsächlich, sondern einzig auf den Ausspruch der Erfahrung – "macht’s nach!" ruft sie laut, "aber macht‘s genau und sorgfältig nach, und ihr werdet sie auf jedem Schritte bestätigt finden" – und (was keine Arzneilehre, kein medicinisches System, keine sogenannte Therapie bisher that oder thun konnte) sie dringt darauf, "nach dem Erfolge beurtheilt zu seyn zu wollen".

Da haben wir die Homöopathie gerade da, wo wir sie haben wollten; hier können wir ihr (folgen Sie nur, liebe Herren! es wird gut gehen) von dieser Seite den Todesstreich versetzen.

Nehmen Sie einen Krankheitsfall nach dem andern, zeichnen Sie ihn nach Anleitung des Organons speciell nach allen seinen auffindbaren Symptomen so genau auf, daß der Urheber der Homöopathie selbst nichts an der Genauigkeit des Aufgezeichneten aussetzen könnte (versteht sich, daß jeder ein Fall sey, wofür schon unter den, nach ihren eigenthümlichen Symptomen bekannt gemachten, eine homöopathisch ähnliche Arznei zu finden ist), und wenden die passendst homöopathisch aufgefundene Arzneisubstanz rein und unvermischt gegen den jedesmaligen Krankheitsfall an, in einer Gabe von Kleinheit, wie sie diese Lehre vorschreibt, doch, wie die ausdrückliche Vorschrift lautet, unter Entfernung aller andersartigen arzneilichen Einflüsse auf den Kranken, und beschämen, wenn es nicht hilft, nicht bald hilft, nicht gelind hilft, nicht dauerhaft hilft, beschämen Sie, sage ich, durch Vorlegung der aktenmäßig beglaubigten Kur-Geschichten nach streng befolgter homöopathischer Lehre, diese, der alten Finsternis so ernstlich drohenden Lehre öffentlich.

Aber nehmen Sie sich, ich bitte Sie, vor irgend einem Falsum dabei in Acht! – alle Schurkerei kommt an den Tag und brandmarkt mit unauslöschlichen Warnungszeichen.

Wenn dann, nach Ihrem gewissenhaften Vorgange jeder andre, ebenfalls gewissenhafte und sorgfältige, ärztliche Nachversucher denselben Erfolg findet – wenn das Alles nicht zutrifft, was die homöopathische Lehre nach ihrer treuen Befolgung verheißt – dann ist die Homöopathie schon so gut als verloren; sie ist verloren, wenn sie nicht hülfreich, ja selbst wenn sie nicht ausgezeichnet hülfreich ist.

Nie hat die homöopathische Heillehre durch dieselbe und gleiche Potenz, von welcher die Krankheit erzeugt worden war, diese Krankheit heilen wollen – dies ist den unverständigen Widersachern schon oft genug, aber, wie man sieht, vergeblich eingekauet worden; - nein! bloß durch eine mit der Krankheitsursache nie übereinstimmende, nie gleiche Potenz, vielmehr durch eine Arznei, die nur einen ähnlichen Krankheitszustand eigenthümlich hervorbringen kann, heilet sie naturgemäßest.

Wollt ihr’s eben so gut haben, so macht’s verständig und redlich nach!

 

Quelle: "Nota bene für meine Recensenten". Vorwort in Samuel Hahnemann, Reine Arzneimittellehre Bd. 3, Arnoldische Buchhandlung, Dresden, 1825

 
   
 
  © Thomas Mickler zuletzt aktualisiert: 15.05.2010