Praxis für Homöopathie
Thomas Mickler
Heilpraktiker
Hardenbergstr. 2
D-45472 Mülheim an der Ruhr

     Homöopathie-
     Info
   
  FAQ
Gesundheit
Arzneimittel
Literatur
Geschichte
Therapeuten
Fallbeispiele
Potenzierung
Download
   
  Links
Feedback
Gästebuch
Kontakt
   
  Home
   
 

In Köthen (Sachsen-Anhalt), einer Stadt von heute ca. 33000 Einwohnern, lebte einst J. S. Bach (von 1717 bis 1723). Später war Hahnemann für 14 Jahre Köthener Bürger, bis er Deutschland 1835 verlies und nach Paris ging, nachdem er als 80-jähriger Wittwer die Französin Melanie d'Hervilly geheiratet hatte.

Zur Entstehung der Homöopathie


Hier soll die Idee der Homöopathie anhand ihrer Entstehungsgeschichte dargestellt werden.

Einige Bemerkungen für angehende Homöopathinnen und Homöopathen


Hahnemanns vorhomöopathische Zeit:

Die Entwicklung der Homöopathie ist sehr eng mit der Biographie Samuel Hahnemanns verknüpft, der am 10. April 2005 seinen 250-sten Geburtstag feiern würde. Hahnemann war schon in der Zeit, bevor er die Homöopathie begründete, ein naturwissenschaftlich bestens ausgebildeter und geschätzter Arzt. Er zeichnete sich früh als unabhängiger Denker aus und publizierte eigene Werke sowie Übersetzungen wichtiger fremdsprachiger medizinischer Literatur.

Christian Friedrich Samuel Hahnemann wurde am 10. April 1755 als Sohn eines Porzellanmalers in Meißen (Sachsen) geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Durch einen Förderer konnte der begabte Junge jedoch die berühmte Fürsten- und Landesschule Sankt Afra besuchen (u. a. Lessing und Gellert besuchten diese Schule ebenfalls, die Schule existiert heute noch).
Als Hahnemann später in Leipzig, Wien und Erlangen Medizin studierte, lebte er von Sprachunterricht und von Übersetzungen, die er durch zahlreiche eigene Kommentare und Anmerkungen bereicherte. Er beherrschte Latein, Griechisch, die englische und französische Sprache. 1779 bestand Hahnemann das Doktorexamen in Erlangen.
Er war mit dem im Studium erworbenen Wissen nicht zufrieden, und die theoretischen Grundlagen schienen ihm zu spekulativ. So machte sich bei ihm sehr früh eine kritische Haltung gegenüber der damaligen Medizin bemerkbar, so in einer eigenen Veröffentlichung von 1781 ("Ein katarrhalisches Faulfieber, beobachtet von August 1780 bis Anfang Februar 1781"):

"Ich wage nicht zuviel, wenn ich ... behaupte, daß Epidemien in ihren Anfängen größtenteils leicht zu unterdrückende Krankheiten einzelner Personen sind, die nur durch Nachlässigkeit und Unwissenheit zu einem allgemeinen Würgeengel ausarten... . Nehme ich eine anhaltende ungesunde Witterung, nehme ich Mangel und Armuth aus, so fällt die übrige Schuld fast allein auf Anstalten, Krankenwärter und Ärzte, die durch vereinigtes schlechtes Betragen allein schon im Stande sind, mittelmäßige Krankheiten zu bösartigen umzuschaffen."

Hahnemann zeichnete sich bereits als unabhängiger Denker aus, als er 1784 seine erste eigenständige, auf eigenen Erfahrungen beruhende Schrift veröffentlichte ("Anleitung alte Schäden und Geschwüre gründlich zu heilen"):

"Diese Wahl der Mittel und Art der Anwendung ist es, die den wahren Arzt auszeichnet, der keinem Systeme geschworen hat, nichts ununtersucht verwirft, oder aufs Wort für bar annimmt, und der das Herz hat, selbst zu denken und eigenmächtig zu handeln." (S. 179)

Publikationen Hahnemanns in "vorhomöopathischer" Zeit

Schon in Zeiten, als Hahnemann selbst von der späteren Entwicklung der Homöopathie noch wenig ahnte, veröffentlichte er neben seinen Übersetzungen zahlreiche eigene Werke chemischen, naturwissenschaftlichen und medizinischen Inhalts und war hierdurch bekannt und geschätzt. Erst später machte er sich zum Feind vieler Zeitgenossen, als er seine neue Behandlungsmethode der medizinischen Öffentlichkeit übergeben hatte. Hier seien nur einige Werke genannt, die sich beliebig vermehren ließen:

  • 1786 - Über Arsenikvergiftung, ihre Hilfe und gerichtliche Ausmittelung (Prof. Henke schrieb noch 1817 in Horns Archiv für medicinische Erfahrungen: "Die für jene Zeit klassische Schrift Samuel Hahnemanns über den Arsenik hat die damals besten Arsenikanalysen in die gerichtliche Medizin eingeführt.")
  • 1787 - Vorurtheile gegen die Steinkohlenfeuerung, die Verbesserungsarten dieses Brennstoffs etc... (Abhandlung über die Vorteile der Heizung mit Steinkohle gegenüber der Holzfeuerung)
  • 1788 - Über die Weinprobe auf Eisen und Blei (Die "Hahnemannsche Weinprobe" wurde ab 1791 in Preußen amtlich vorgeschrieben und löste hier die seit 1707 in den meisten Staaten vorgeschriebene "württembergische Weinprobe" ab.)
  • 1789 - Kennzeichen der Güte und Verfälschung der Arzneymittel (Neue medicinische Litteratur von Schlegel und Arnemann, Leipzig, 1788: "Besondere Empfehlung braucht diese Schrift nicht; aus dem, was davon angeführt ist, wird jeder Arzt und Apotheker die Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit derselben von selbst anerkennen".)
  • 1789 - Entdeckung eines neuen Bestandteils im Reißblei.
  • 1789 - Unterricht für Wundärzte über die venerischen Krankheiten nebst einem neuen Quecksilberpräparate (Prof. Hartenkeil schreibt darüber in der Medicinischen chirugischen Zeitung, Salzburg, 1790: "Das Buch ist nicht nur das Werk eines Mannes von Kopf und Gelehrsamkeit, sondern auch in einer aphoristischen Kürze geschrieben... . Es ist ein Buch für akademische Vorlesungen, obgleich der Verfasser es nicht dafür bestimmt hat.")
  • 1793 - 1799 erscheint sein "Apothekerlexikon", ein stattliches Werk von über 1000 Seiten, das eine Übersicht über den Arzneischatz des ausgehenden 18. Jahrhunderts bietet und Hahnemann als Autorität auf dem Gebiet der Pharmazie ausweist (Prof. Trommsdorf, Erfurt, 1794 in seinem Journal für Pharmazie: "Ein vortreffliches Werk, das sich jeder Apotheker anschaffen sollte.")

Aufgabe der praktischen Tätigkeit als Arzt aus Enttäuschung

Aus Enttäuschung über die oft schädigenden Behandlungsweisen der damaligen Medizin gab er seine praktische Tätigkeit als Arzt nach 8 Jahren Praxis auf, trotz der dadurch drohenden materiellen Not - er war in der Zwischenzeit verheiratet und hatte eine große Familie zu versorgen. Erst als er für sich wieder Möglichkeiten sah, als Arzt Menschen wirkliche Heilung bringen zu können, praktizierte er wieder.

"Ich machte mir ein empfindliches Gewissen daraus, unbekannte Krankheitszustände bei meinen leidenden Brüdern mit diesen unbekannten Arzneien zu behandeln, die als kräftige Substanzen, wenn sie nicht genau passen, (und wie konnte sie der Arzt anpassen, da ihre eigentlichen speziellen Wirkungen noch nicht erörtert waren?) leicht das Leben in Tod verwandeln... . Auf diese Weise ein Mörder oder Verschlimmerer des Lebens meiner Menschenbrüder zu werden, war mir der fürchterlichste Gedanke, so fürchterlich und ruhestörend für mich, daß ich in den ersten Jahren meines Ehestandes die Praxis ganz aufgab und fast keinen Menschen mehr ärztlich behandelte, um ihm nicht noch mehr zu schaden und bloß - wie Sie wissen - mich mit Chemie und Schriftstellerei beschäftigte... ." (Brief an Hufeland, 1808)

Die Behandlung einer Geisteskrankheit

Erwähnenswert ist sicherlich auch eine Episode 1792/1793, in der Hahnemann in einer eigens gegründeten Anstalt einen prominenten Geisteskranken behandelte, den Geheimen Kanzleisekretär Klockenbring aus Hannover, seinerzeit auch als Schriftsteller bekannt. Er widmete sich ein dreiviertel Jahr ausschließlich diesem einen Kranken. Die damaligen Irrenhäuser beschränkten sich darauf, Geisteskranke zu ernähren und dafür zu sorgen, daß sie sich und anderen kein Leid antaten. Darüberhinaus wurden sie oft gezüchtigt, geschlagen, angekettet, zum Vergnügen von Besuchern gereizt usw.. Es ist Hahnemanns Verdienst, sich als erster in Deutschland bewußt von dem damals üblichen Umgang mit Geisteskranken abgekehrt zu haben. Nach diesem dreiviertel Jahr Behandlung konnte er Klockenbring als genesen und wieder arbeitsfähig entlassen. Der sonderbare Heilungsfall sprach sich zwar herum, doch blieben andere Kranke aus, und die Heilanstalt wurde wieder geschlossen.

"... da ich keinen Wahnsinnigen je mit Schlägen oder anderen schmerzhaften körperlichen Züchtigungen bestrafen lasse, weil es für Unvorsätzlichkeit keine Strafe gibt, und weil diese Kranken bloß Mitleid verdienen und durch solche rauhe Behandlung immer verschlimmert, wohl nie gebessert werden: so zeigte er mir oft mit Tränen die Reste der Schwielen von Stricken, deren sich seine vorigen Wärter bedient hatten... ."

Kritik an der Behandlung des Kaisers Leopold II.

Der seit 1790 regierende Kaiser Leopold II. von Österreich starb schon zwei Jahre nach seinem Amtsantritt. Er war bis zum Schluß von seinem Leibarzt Hasenöhrl (der sich Lagusius nannte) v. a. mit Aderlaß behandelt worden. Dieser rechtfertigte sich wegen des Aufsehen erregenden plötzlichen Todes Kaiser Leopolds mit einem Artikel zur Krankengeschichte des Monarchen.
Hahnemann forderte im Frühjahr 1793 die ganze medizinische Zunft seiner Zeit heraus, als er einen großes Aufsehen erregenden Artikel veröffentlichte, in dem er den damals als Standardbehandlung geltenden Aderlaß aufs Schärfste kritisierte. Der Aderlaß wurde von nahezu allen Autoritäten empfohlen, um ein Zuviel an Blut, die krankhafte Verteilung, Stockungen und Blutstau zu behandeln. Der Überfluß sollte weggeschafft werden, indem man das Blut abließ wie aus einem Wasserhahn.
Wie richtig Hahnemanns Kritik aus heutiger Sicht auch war, so provozierend war sie für seine ärztlichen (!) Zeitgenossen, die zum Großteil seiner vernünftigen Argumentation nicht im Geringsten zugänglich waren.

Wegen der Brisanz einige Auszüge aus dem Artikel:

"Die Berichte sagen:, sein Arzt Lagusius habe den 28. Februar früh ein heftiges Fieber und den Unterleib angeschwollen gefunden' - er setzte dem Übel einen Aderlaß entgegen, und da dieser keine Erleichterung bewirkte, noch  drei Aderlässe ohne Erleichterung. Die Kunst fragt, nach welchen Grundsätzen man mit Fuge einen zweiten Aderlaß verordnen könne, wenn ein erster keine Erleichterung verschaffte? wie man ein drittes -, Himmel! und wie man ein viertes Mal Blut lassen dürfe, wenn bei keinem vorigen Male Erleichterung entstanden? -- einem abgemagerten, durch Anstrengung des Geistes und langwierigen Durchlauf [Anm.: Durchfall ] entkräfteten Manne viermal binnen 24 Stunden den Lebenssaft abzapfen dürfe, immer, immer ohne Erleichterung. Die Kunst erblaßt.
... Der Krankenbericht des Leibarztes besagt:, Der Monarch wurde am 28. Februar von einem rheumatischen Fieber (welche Symptome hatte dies, um erkennen zu können, daß es rheumatischer Natur sei?) und einer Brustkrankheit (und welche der vielen Brustkrankheiten, deren die wenigsten Aderlaß ertragen?...) überfallen und sogleich suchte man die Heftigkeit des Übels durch Aderlassen und andere nöthige Mittel (Deutschland - Europa - hat ein Recht zu fragen welche?) zu hemmen. Am 29. vermehrte sich das Fieber (nach dem Aderlaß! und dennoch - ) man ließ dem erhabenen Kranken (noch) dreimal eine Ader öffnen, worauf einige (andere Berichte sagen deutlich: keine) Erleichterung folgte; aber die folgende Nacht war äußerst unruhig und schwächte sehr die Kraft des Monarchen (man denke! die Nacht und nicht der viermalige Aderlaß schwächte den Monarchen so sehr, und dies konnte Herr Lagusius so deutlich sehen - ), der am 1. März anfing, sich mit der schrecklichsten Erschütterung zu erbrechen und alles von sich zu geben, was er einnahm (und doch verließen ihn seine Ärzte, so daß kein Einziger bei seinem Tode zugegen war, und einer ihn noch nachdem außer Gefahr angab?). Um 1/2 4 Uhr nachmittags verschied er unter Erbrechen in Gegenwart der Kaiserin."

Auch forderte er Leopolds Ärzte auf, sich öffentlich zu rechtfertigen, und der Leibarzt Lagusius versprach einen ganz genauen Bericht, der jedoch nie erscheinen sollte.

Aus allem Vorhergehenden wird deutlich, daß Hahnemann schon in jener Zeit, bevor er die Homöopathie entwickelte, ein bedeutender Arzt seiner Zeit war. Nachdem er seine Zeitgenossen wegen ihrer seiner Meinung nach oft verderblichen Behandlung von Kranken oft scharf und polemisch angegriffen hatte und noch dazu die Homöopathie ins Leben gerufen hatte, war sein Ruhm innerhalb der Ärzteschaft allerdings bald dahin, die Patienten jedoch reisten später per Kutsche aus ganz Europa an.

[Über die damals übliche Behandlung und wie Hahnemann darüber dachte, kann man u. a. in der Einleitung von Hahnemanns "Organon der Heilkunst"   (Online-Version bei Homéopathe International) genaueres nachlesen. Sehr lesenswert!

Hahnemanns Selbstversuch mit der Chinarinde

Im Jahr 1790 erscheint Hahnemanns Übersetzung von William Cullen's Abhandlung über die Materia medica, die insofern bedeutend ist, weil man hier eine Fußnote Hahnemanns über ein bekanntes Heilmittel von Wechselfieber, die Chinarinde, findet (Cullen, 2. Band, Leipzig 1790, S. 108-109).

"Man kann durch Vereinigung der stärksten bittern und der stärksten adstringirenden Substanzen eine Zusammensetzung bekommen, welche in kleinerer Gabe weit mehr von beiden Eigenschaften besitzt, als die Rinde hat, und doch wird in Ewigkeit kein Fieberspecificum aus einer solchen Zusammensetzung. Dies hätte der Verf. beantworten sollen. Dies uns zur Erklärung ihrer Wirkung noch fehlende Principium der Rinde wird wohl so leicht nicht ausfindig gemacht werden. Man bedenke jedoch folgendes. Substanzen, welche eine Art von Fieber erregen (sehr starker Kaffee, Pfeffer, Wolferlei, Ignazbohne, Arsenik) löschen die Typen des Wechselfiebers aus. - Ich nahm des Versuchs halber etliche Tage zweimahl täglich jedesmahl vier Quentchen gute China ein; die Füse, die Fingersitzen u.s.w. wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind; eine unleidliche Aengstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schauder), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder; dann Klopfen im Kopfe, Röthe der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptomen erschienen nacheinander, doch ohne eigentlichen Fieberschauder. Mit kurzem: auch die mir bei Wechselfiebern gewöhnlichen besonders charakteristischen Symptomen, die Stumpfheit der Sinne, die Art von Steifigkeit in allen Gelenken, besonders aber die taube widrige Empfindung, welche in dem Periostium über allen Knochen des ganzen Körpers ihren Sitz zu haben scheint - alle erschienen. Dieser Paroxysm dauerte zwei bis drei Stunden jedesmahl, und erneuerte sich, wenn ich diese Gabe wiederholte, sonst nicht. Ich hörte auf, und ich war gesund."

Das war 1790, als Hahnemann davon berichtet, er habe jedes Mal, wenn er die Chinarinde einnahm, malariaähnliche Symptome bekommen, und er vermutet, daß die Chinarinde womöglich deshalb so oft Malaria geheilt haben könnte. Viele Versuche folgen.
Doch schon Anton Störck (1731-1803), ein bedeutender Vertreter der Ersten Wiener Schule, hatte eine experimentelle Arzneimittelforschung betrieben, deren Ergebnisse dem mit der Medizin seiner Zeit bestens vertrauten Hahnemann natürlich bekannt waren, so formulierte Störck schon 40 Jahre vor Hahnemann das Prinzip der Ähnlichkeitsbeziehung zwischen Arznei und Krankheit zumindest als Idee:

"Wenn der Stechapfel den Geist zerrüttet und bei Gesunden Wahnsinn hervorbringt, sollte man dann nicht versuchen dürfen, ob er bei Wahnsinnigen durch Umänderung der Ideen den gesunden Verstand wiederbringen könne?" [Störck: Libellus, 1762, S.8]

Hahnemann hatte 1777 in Wien bei Joseph Quarin studiert, der seinerseits von Störck beeinflusst war, und verwendete die neuen Medikamente Störcks auch in der Zeit vor der Homöopathie schon ausgiebig. Man darf wohl annehmen, dass das Ähnlichkeitsprinzip Hahnemann nicht erst mit dem Chinarindenversuch als plötzliche Idee überfiel, sondern dass es dorthin eine längere Entwicklung gegeben hatte, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.

Die Geburtsstunde der Homöopathie

Als Geburtsjahr der Homöopathie gilt heute im allgemeinen das Jahr 1796, als Hahnemanns Artikel "Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneisubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen" im "Journal der practischen Arzneikunde" erschien. Herausgeber dieser angesehenen medizinischen Fachzeitschrift war kein Geringerer als Christoph Wilhelm Hufeland (1762 - 1836). Hier beginnt die eigentliche Geschichte der Homöopathie, sechs Jahre nach Hahnemanns Versuchen mit der Chinarinde. Nun sollte es vorbei sein mit den Gewissensnöten, denn er hatte das "Ähnlichkeitsgesetz" gefunden und publizierte seine Gedanken dazu.

"Man ahme der Natur nach, welche zuweilen eine chronische Krankheit durch eine andre hinzukommende heilt, und wende in der zu heilenden (vorzüglich chronischen) Krankheit dasjenige Arzneimittel an, welches eine andre, möglichst ähnliche, künstliche Krankheit zu erregen im Stande ist, und jene wird geheilet werden; Similia similibus."  [Hahnemann 1796]

Nun wendet Hahnemann Arzneien nur noch nach dem Prinzip der Ähnlichkeit an, zunächst noch in starker Dosis, dann immer stärker verdünnt und schließlich auch "potenziert". Gegner der Homöopathie, die übrigens allzuoft kaum mit den Inhalten dessen vertraut sind, was sie so ausgiebig als Unsinn kritisieren, wissen sehr häufig gar nichts davon, dass das Prinzip der Ähnlichkeit auch ohne die für die Homöopathie spezifische Art der Arzneizubereitung, die Potenzierung, wirksam ist! Das Argument, es kann ja gar nicht funktionieren, weil in den Arzneien "nichts drin" sei, ist schon damit hinfällig. Diese Art der Anwendung der Arzneien nach dem Prinzip "Ähnliches werde mit Ähnlichem geheilt" - "Similia similibus curentur" nennt Hahnemann 1807 erstmals "Homöopathie".

Hahnemanns Grab in Paris
© 2004 Thomas Mickler

Den kompletten Artikel von 1796, der auch heute noch lesenswert ist, können Sie hier online lesen oder auch herunterladen. Hier fehlt Hahnemann übrigens noch jede Schärfe und Polemik, mit der er später seine neue Behandlungsmethode verbissen gegen nicht minder polemische und unsachliche Angriffe verteidigt!

Artikel online
Die wichtigsten Textstellen
Downloadversion

 

 

 


Quellen:
- Richard Haehl: Samuel Hahnemann - Sein Leben und Schaffen, T & W Verlags GmbH, 1988 (Reprint von 1922, Verlag Willmar Schwabe)
- Rudolf Tischner: Geschichte der Homöopathie, Springer Verlag, 1998 (Reprint von 1932 - 1939, Verlag Willmar Schwabe)
- Herbert Fritsche, Samuel Hahnemann - Idee und Wirklichkeit der Homöopathie, Burgdorf Verlag, 1979

©  Copyright: photo of Hahnemann - H.I.

   
  © Thomas Mickler zuletzt aktualisiert: 26.02.2005